Autor: Rolf Schlicher
Letzte Aktualisierung: 24.05.2006
Positive Menschen entfalten mehr Schaffenskraft
Der Spruch von Walt Disney, „If you can dream it, you can do it“, beflügelt Rolf Schlicher, in seiner Heimatstadt Pirmasens als Stadtmarketingkoordinator etwas zu bewegen. Wenn viele Menschen zu einem Event in die Stadt kommen und Spaß an gelungenen Aktivitäten haben, dann weiß er, dass sich die harten Vorbereitungen gelohnt haben.
Mit zwölf Jahren wollte Ihr bester Freund schon Feuerwehrmann werden ... und Sie PR-Manager? Auf welchem (Um)weg sind Sie in die Kommunikationsbranche gelangt?
Mit zwölf wollte ich noch Lehrer werden (wegen der beruflichen Prägung väterlicherseits), dann Zahnarzt, dann Allgemeinmediziner, Biologe und Stadtplaner. Zur BWL bin ich dann durch intensive Beschäftigung mit den Arbeitsmarktverhältnissen zur Zeit meines Abiturs gekommen. Schon im Studium habe ich mich auf Marketing spezialisiert. Meinen beruflichen Einstieg hatte ich als Marketingleiter der Volksbank Pirmasens. PR-Arbeit war in dieser Zeit ein Baustein im Marketingmix. Schon während meiner Tätigkeit bei der Bank war ich als deren Vertreter im Vorstand des Pirmasens Marketing. e.V. Als die Stelle des Geschäftsführers in Personalunion mit dem Stadtmarketingkoordinator neu zu besetzen war, habe ich mich beworben und wurde ausgewählt. In dieser Funktion spielt das Thema Kommunikation sowohl über das Instrument Werbung als auch über PR eine wesentlich größere Rolle.
Welche Stationen Ihrer Ausbildung und Laufbahn würden Sie im Rückblick als die wichtigsten bezeichnen?
Rückblickend haben mich alle bisherigen Zwischenstationen in meiner Laufbahn beruflich weitergebracht. Es fällt mir schwer, hier einen Abschnitt besonders hervorzuheben.
Was würden Sie sich „ersparen“, wenn Sie die Chance für einen zweiten Anlauf auf der Karriereleiter erhielten?
Mit fast alptraumhaftem Grauen denke ich an meine Diplom-Prüfungen im Fach Grundzüge der VWL, Mikro- und Makroökonomie. Ich glaube aber, dass es gerade die ungeliebten Dinge sind, die man durchzustehen im Stande sein muss, um im Leben weiterzukommen. Es ist nun einmal so, dass einem nur im seltensten Fall der Erfolg in den Schoß fällt. In der Regel muss man dafür hart arbeiten. Aus diesem Grund würde ich vermutlich kaum etwas ändern. Vielleicht würde ich allerdings versuchen, ein oder zwei Semester meines Studiums in den USA zu absolvieren.
Wie stehen Sie zum Thema Verbandsarbeit?
Sofern die Verbandsarbeit effektiv organisiert ist, halte ich diese für sehr wertvoll. Ich schätze den Austausch über den Tellerrand hinweg, den man in der Regel nur dann hat, wenn es gelingt, sich auch einmal aus dem Tagesgeschäft zu befreien.
Was gehört für Sie zum Netzwerk eines PR-Schaffenden unbedingt dazu?
Als Stadtmarketingkoordinator lebe ich von meinen Kontakten. Ohne eine starke persönliche Verankerung in unserer Stadt – mit entsprechenden Kontakten zu den Unternehmen, Vereinen und Institutionen - könnte ich viele Dinge gar nicht anstoßen. Deshalb versuche ich diesen persönlichen Kontakt auch zu pflegen.
Wozu hätten Sie gern mehr Zeit – beruflich und privat?
Da ich beruflich schon sehr vielfältig in unterschiedlichsten Aufgaben engagiert und eingebunden bin, hätte ich kaum Wünsche an mein berufliches Umfeld. Mir würde es hier schon genügen, wenn ich verschiedene Zeitfresser abstellen könnte, um mich noch stärker meinen „Priorität-I-Aufgaben“ widmen zu können.
Allerdings hätte ich gern ein wenig mehr Zeit für meine Familie. Wenn ich die Chance hätte, mir in kurzer Zeit Dinge aneignen zu können, so würde ich gern die italienische Sprache sprechen und Klavier spielen können.
Was ärgert Sie in Ihrem Berufsumfeld am meisten?
„Man-könnte-mal-Sager“, also Menschen, die immer mit besonders guten Vorschlägen auf sich aufmerksam machen, die aber grundsätzlich von anderen umgesetzt werden sollen.
Da Aktivitäten des Stadtmarketing in der Regel eine breite öffentliche Wirkung haben, kann meist nicht nur mit Zustimmung gerechnet werden. Also habe ich auch gelernt, mit Kritik umzugehen. Im Speziellen auf Pirmasens bezogen ärgert mich natürlich die Aussage „Hier ist ja nichts los“ oder „Pirmasens ist ja doch eine sterbende Stadt“. Solche Aussagen sind dann aber auch weiterer Ansporn, Wege zu finden, diese Menschen auf unserem Weg „Zukunft Stadt Pirmasens“ mitzunehmen.
Und was gefällt Ihnen am besten daran, „Kommunikationswerker“ zu sein?
Die permanente Herausforderung an die Kreativität und am Puls der Zeit und der Menschen zu sein.
Ich empfinde eine tiefe Befriedigung, wenn zum Beispiel nach einer harten Vorbereitung viele Menschen zu einem Event (auch eine Form der Kommunikation!!) nach Pirmasens kommen und man auf der Straße mitbekommt, wie diese Menschen eine solche Veranstaltung genießen, Spaß haben oder sich auch lobend darüber äußern. Das Gleiche gilt für jede gelungene Aktivität (siehe zum Beispiel die Imagekampagne „Bestes Pirmasens der Welt“, die Beleuchtung des Wasserturms Fehrbach oder aktuell das Mitwirken an der Errichtung eines Exploratoriums in Pirmasens).
Was sind aus Ihrer Sicht in Zukunft die wichtigsten Aufgaben der PR?
Nicht nur in meiner Heimatstadt ist eine negative Selbstwahrnehmung der Menschen eine besondere Herausforderung für das (Stadt-)Marketing. Ich denke, dass in Deutschland tendenziell das Glas eher halb leer als halb voll ist. Die Menschen müssten mit mehr Spaß an ihrem Leben, mehr Optimismus und Freude an dem, was sie tun, zu Werke gehen. Wenn es uns mit unserer Arbeit gelingt, hier ein verbessertes Klima herzustellen, dann bin ich überzeugt, dass wir kein weiteres Konjunkturprogramm benötigen würden. Ich bin mir im Klaren, dass ich mich mit dieser Aussage noch nicht zum Wirtschaftsweisen qualifiziert habe, dennoch bin ich ehrlich überzeugt, dass optimistische und positive Menschen mehr Schaffenskraft und im engeren Sinne Wertschöpfung entfalten als die ewigen Nörgler.
Wer ist beruflich Ihr größtes Vorbild?
Niemand Bestimmtes. Aber ich beneide im positiven Wortsinn Menschen, die durch Schaffenskraft und Vision anderen Menschen etwas Positives geben oder auch zu besonderen Leistungen anspornen. Es ist ein schönes Gefühl, an etwas beteiligt zu sein, was vielen Menschen einen Mehrwert für ihr Leben bringt.
Ein solcher Mensch ist für mich – ohne dass er jetzt ein spezielles Vorbild wäre - zum Beispiel Walt Disney, der den Spruch geprägt hat „If you can dream it, you can do it“. Auch ich träume manchmal gern und habe deshalb auch meine Vision für ein zukünftiges Pirmasens.
Wenn Sie als erster Mensch auf den Mars fliegen, welche drei Zeitschriften lassen Sie sich dorthin nachschicken?
P.M., Absatzwirtschaft, Sport-Bild oder, wenn es auch eine Tageszeitung sein darf, alternativ zur letzteren eine regionale Tageszeitung.
Sie haben genau eine Minute lang alle Menschen dieser Welt in einer Konferenzschaltung am Telefon. Was ist Ihre Nachricht?
Informationen zu „Das beste Pirmasens der Welt“ gibt es unter www.pirmasens-marketing.de ;o)
Experte: Herr Rolf Schlicher
Rolf Schlicher ist Diplomkaufmann und Stadtmarketingkoordinator der Stadtverwaltung Pirmasens sowie Geschäftsführer des Pirmasens Marketing e.V.
