Letzte Aktualisierung: 21.01.2010

PR-Trends 2010: Arbeitet PR abgekoppelt vom Unternehmensmanagement?

Der Vorstandssprecher der Bahn stolpert über einen Datenskandal. Der Arbeitsminister muss aufgrund seiner Informationspolitik zurücktreten. Der Spiegel titelt über Siemens: „Bestechung aus Tradition“. – Wieso scheinen nach 60 Jahren PR- und Kommunikationsmanagement in Deutschland Skandale zuzunehmen, die auf unethisches Verhalten und mangelnde Kommunikation zurückzuführen sind?

Eine Studie der MHMK Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation in Hamburg ergibt: Nicht mal 50 Prozent der Kommunikationsabteilungen von Unternehmen bekommen interne Aufträge von ihrem Management erteilt, geschweige denn Ziele vorgegeben.

Dass PR- und Kommunikationsmanagement ein wichtiger Erfolgsfaktor für Unternehmen sein kann, betonen Praxis und Forschung immer wieder. Die meisten Organisationen verfügen denn auch über Abteilungen für Unternehmenskommunikation, Öffentlichkeitsarbeit oder Public Relations. „Wie also sind die aktuellen Skandale von Unternehmen und auch Ministerien erklärbar?“, so die Forschungsfrage der Kurzstudie.

Die zentralen Ergebnisse:

  • Fast 50 Prozent der Kommunikationsabteilungen werden keine internen Aufträge erteilt
  • Gerade 50 Prozent der Kommunikationsabteilungen werden Kommunikationsziele vom Vorstand vorgegeben
  • Fast 50 Prozent gestalten sich ihre Aufträge selbst
  • Nur 10 Prozent der Kommunikationsabteilungen setzen Strategievorgaben um
  • Rund 15 Prozent der Kommunikationsabteilungen entwickeln selbst Strategien
  • Rund 30 Prozent der befragten Unternehmen werden mittels einer Balanced Scorecard geführt, aber nur gut 20 Prozent der so geführten Unternehmen berücksichtigen dabei explizit die Kommunikation
  • Gut 40 Prozent erstellen einen Leistungsbericht für ihre Abteilung
Prof. Dr. Jan Lies, Initiator der Studie, kommentiert die Ergebnisse: „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die PR- und Kommunikationsabteilungen in ihrer Arbeit vom Management abgekoppelt werden, wenn es um die interne Einflussnahme auf imagerelevante Verhaltensweisen von Unternehmen oder Ministerien geht.“ Die vorliegende Studie bestätigt den Befund anderer Untersuchungen, wenn es etwa um die Anerkennung von PR-Abteilungen in ihrer eigenen Organisation geht oder um die Selbsteinschätzung der Bedeutung des eigenen Bereichs im Vergleich zu anderen Abteilungen wie Finanzen oder Vertrieb.

Die PR- und Kommunikationsmanagementforschung der MHMK hat 84 Unternehmen dazu befragt. Die Umfrage ist nicht repräsentativ, zeigt aber indikativ weiteren Forschungsbedarf auf. Das Interesse weiterer Projekte gilt beispielsweise der Frage, ob Managementverhalten aufgrund bestimmter Rechtsformen von Unternehmen Einfluss auf die Reputation haben. Die komplette Studie ist kostenfrei bei MHMK in Hamburg bestellbar.
www.mhmk.de

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© 31.07.2010