Letzte Aktualisierung: 16.09.2004

PR-Manager im Portrait - 12 Fragen an Kirsten Drechsler

Komplexe Themen für jede Zielgruppe verständlich darstellen, ist eine der Herausforderungen, der sich Kirsten Drechsler gerne jeden Tag stellt. Ihr Motto dabei ist, auch einmal „über den Tellerrand schauen“ .

Mit zwölf Jahren wollte Ihre beste Freundin schon Model werden ... und Sie Pressesprecherin? Auf welchem (Um)weg sind Sie in die Kommunikationsbranche gelangt?
Früher wollte ich mein Hobby zum Beruf machen und klassische Balletttänzerin werden. Es ist dann doch ein Hobby geblieben. Da mir Fremdsprachen und Kommunikation allgemein liegen, habe ich Linguistik- und Literatur studiert und bin dann über Praktika zur PR gekommen.

Welche Stationen Ihrer Ausbildung und Laufbahn würden Sie im Rückblick als die wichtigsten bezeichnen?
Beruflich sind das sicher die Praktika während meiner Studienzeit in Unternehmen, Agenturen und öffentlichen Institutionen. Dadurch wusste ich genau, was mich später im Berufsleben erwartet. Am wichtigsten war aber der passende Einstieg nach der Uni. Den habe ich bei IBM gefunden: Mit dem 18-monatigen Volontariat inklusive begleitender Ausbildung zur DPRG PR-Beraterin war ich optimal vorbereitet, um später selbst als Referentin einen eigenen Bereich zu betreuen.

Was würden Sie sich „ersparen“, wenn Sie die Chance für einen zweiten Anlauf auf der Karriereleiter erhielten?
Die zwei Semester Jura am Anfang meines Studiums. Das war mir einfach zu trocken.

Wie stehen Sie zum Thema Verbandsarbeit?
Ist sicher nötig und hilfreich, vor allem für die Ausbildung und Förderung des PR-Nachwuchses.

Was gehört für Sie zum Netzwerk eines PR-Schaffenden unbedingt dazu?
Kontakte pflegen – nicht nur mit Journalisten sondern auch mit Personen aus dem gesamten Unternehmensumfeld. Das erleichtert täglich die spontane Zusammenarbeit und baut Vertrauen auf für schwierige Situationen in der Zukunft.

Wozu hätten Sie gerne mehr Zeit - beruflich und privat?
Beruflich würde ich mir gerne noch mehr Fachwissen über die Möglichkeiten der digitalen Welt aneignen. Ich arbeite zwar mit dem Thema jeden Tag, aber ich lerne doch nie aus. Internet und Informationstechnologie haben in kurzer Zeit die Art, wie Unternehmen Geschäfte machen und unser aller Leben verändert. Das wird auch künftig spannend bleiben! Privat biegt sich mein Regal unter der Last von Büchern, die ich leider noch nicht gelesen habe.

Was ärgert Sie in Ihrem Berufsumfeld am meisten?
Wenn das Gefühl für die Außenwahrnehmung verloren geht, weil man zu sehr im eigenen Thema feststeckt. Tief durchatmen, einen Schritt zurücktreten und eben in regelmäßigen Abständen über den Tellerrand schauen ist dann sehr hilfreich.

Und was gefällt Ihnen am besten daran, "Kommunikationswerker" zu sein?
Da ich in einer internationalen Technologie-Firma arbeite, die ein sehr breites Portfolio hat, muss ich viele, oft sehr komplexe Themen kommunizieren. Es ist eine Herausforderung, sich täglich in neue Sachverhalte einzuarbeiten und diese verständlich für die Zielgruppen aufzubereiten. Das ist interessant und bringt mir persönlich einen enormen Wissenszuwachs.

Was sind aus Ihrer Sicht in Zukunft die wichtigsten Aufgaben der PR?
Ich denke, dass PR künftig noch stärker daran mitwirkt, eine Art Ökosystem zu definieren und zu koordinieren, in dem sich das Unternehmen bewegt. Ziel ist, nicht mehr nur die klassischen Zielgruppen anzusprechen, sondern andere Bereiche im Unternehmen zu beraten, die eigentlich für die PR sekundäre Zielgruppen adressieren, wie etwa Kunden. Dafür muss die Silokommunikation im Unternehmen aufgelöst werden. Alle Bereiche arbeiten vernetzt, um eine Botschaft unisono nach außen zu tragen.

Wer ist beruflich Ihr größtes Vorbild?
Ein richtiges Vorbild habe ich nicht – nur Respekt vor den Kollegen und Managern, die neben Fachwissen, Geschäft und Shareholder-Value auch die Menschen im Unternehmen sehen. Das ist eine Wertschätzung der Mitarbeiter und motiviert mich bei der täglichen Arbeit.

Wenn Sie als erster Mensch auf den Mars fliegen, welche drei Zeitschriften lassen Sie sich dorthin nachschicken?
brandeins, Spiegel und InStyle

Sie haben genau eine Minute lang alle Menschen dieser Welt in einer Konferenzschaltung am Telefon. Was ist Ihre Nachricht?
Das hat Benjamin Franklin bereits in kürzerer Zeit treffend bemerkt: „Eine Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen.“ Wenn alle Menschen den gleichen Zugang zu Informationen hätten, wäre das Verständnis untereinander erheblich besser, denke ich.

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© 06.09.2010