Letzte Aktualisierung: 16.10.2006

Internetkriminalität: Trend zu ungeschützten Home-PCs wird immer schlimmer

Laut einer von der britischen Regierung in Auftrag gegebenen Studie mit Namen „Get Safe Online“ haben rund 21 Prozent der Briten eine größere Angst, von Internetkriminalität betroffen zu sein, als der „realen“ Kriminalität zum Opfer zu fallen. Nur 16 Prozent der befragten Briten zeigten sich besorgt, Opfer von sonstigen Verbrechen zu werden. Die Studie wurde im Zuge der gleichnamigen Kampagne veröffentlicht, deren Ziel die Information über empfohlene und nutzerorientierte Internetpraktiken und Sicherheitsmaßnahmen ist.

Von 57 Prozent der britischen Haushalte mit Internetzugang verfügen bereits 69 Prozent über Hochgeschwindigkeits- oder Breitbandverbindungen. Mit der populären Nutzung des Internets stellt die damit verbundene Internetkriminalität ein weltweites Problem dar. Laut Symantec sind 86 Prozent der Angriffe gegen Homecomputer gerichtet. Pro Tag sind ungefähr 6000 Computer mit bösartigen Hackern konfrontiert, die versuchen, Websites lahmzulegen. Über 54 Prozent aller E-Mails sind Spam. Laut der Studie wurden allein 2005 über 3000 Internet-Phishing-Sites entdeckt. Weiter zeigt die Untersuchung, dass viele Privatanwender kaum über ausreichenden Schutz für das Surfen im Internet verfügen. Allein 17 Prozent der Befragten gaben an, keine Antivirus-Software zu nutzen. 22 Prozent der Probanden haben keine Firewall installiert und 23 Prozent haben bereits Anhänge von E-Mails mit unbekanntem Absender geöffnet. 

Neben den Gefahren und damit verbundenen Ängsten in der Bevölkerung weist die Studie aus, dass das Internet zu einem wesentlichen Teil der populärkulturellen Praxis der Briten avanciert ist. Vor allem der Bereich des Online-Shoppings erfreut sich wachsender Beliebtheit. So gaben die Briten in den ersten sechs Monaten des Jahres 2006 mehr als 13 Milliarden Pfund, umgerechnet rund 21 Milliarden Euro, aus. Allein 52 Prozent der britischen Internetnutzer wickelten ihre Bankgeschäfte online ab. Obwohl diese Zahlen die Beliebtheit des Internets unterstreichen, gaben bereits 18 Prozent der Befragten an, Online-Shopping aus Angst vor Internetkriminalität abzulehnen. Dabei bringt die Studie zum Vorschein, dass kriminelle Machenschaften im Internet die Angst der britischen Internetuser teils so stark beeinflusst, dass diese sich online gänzlich unsicher fühlen und das Internet nicht länger nutzen.

Wenngleich solche Reaktionen eher überstürzt wirken, empfiehlt „Get Safe Online“-Kampagnenmanager Tony Neate Online-Usern, ganz grundlegende Sicherheitsmaßnahmen vorzunehmen, um vor sämtlichen Internetgefahren gefeit zu sein. Daher empfiehlt der Sicherheitsexperte neben der Nutzung stets aktualisierter Anti-Spy-Software, Antivirus-Software und Firewall-Software vor allem die in regelmäßigen Abständen vorgenommene Aktualisierung des gesamten Betriebssystems. Außerdem rät er Internetnutzern dringend davon ab, auf Junk-Mails zu antworten. Sich selbst über neueste Gefahren aus dem Internet auf dem Laufenden zu halten, hält er für erstrebenswert. Gerd M. Fuchs vom Bundesverband digitale Wirtschaft weist im Gespräch mit pressetext darauf hin, dass „der Trend hin zu ungeschützten Home-PCs immer schlimmer wird“. Der Experte macht deutlich, dass somit auch Internetkriminalität massiv ansteigt, wobei das Gefahrenpotenzial eher bei Privatanwendern als bei Unternehmen liegt. Die potenziell stärkere Gefährdung privater Nutzer sieht Fuchs in der mangelnden Bereitschaft, geeignete Vorkehrungen zu treffen. In diesem Sinne helfen Freeware-Programme oft nur bedingt, während höhere Investitionen mit Blick auf die Sicherheit des eigenen PCs durchaus von Nutzen wären.

Eine vom britischen Nachrichtensender BBC durchgeführte Untersuchung ergab, dass internetbasierte Microsoft-Windows-Computer theoretisch alle 15 Minuten von virtuellen Angriffen befallen werden. Erhöht man das Zeitfenster auf eine Stunde mit einem bewusst ungeschützten PC, der mit dem Internet verbunden ist, so zeigt sich rasch, dass dieser nicht nur magische Anziehungskraft besitzt, sondern sich gleichsam als risikobehafteter „honeypot“ entwickelt. Ein solch ungeschützter Computer ist nicht nur leichtsinnig, sondern auch höchst gefährlich, da böswillige Angriffe unter bestimmten Voraussetzungen nicht nur das Gerät unbenutzbar machen können, sondern auch Zugang zu sensiblen Daten und/oder anderen vernetzten Computern ermöglicht. Solche Art von „honeypot computers“ stellen für Sicherheitsexperten immer wieder unentbehrliche Anschauungsbeispiele dar, um Verfahren und Möglichkeiten der Internetkriminalität der letzten Jahre zu beobachten, öffentlich aufzuzeigen und als Vorlage präventiver Entwicklungsarbeit heranzuziehen.

Quelle: pressetext.austria

Link: http://www.getsafeonline.org

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© 31.07.2010