Autor: Martina Schmitz
Letzte Aktualisierung: 16.08.2005
Die Kunst der Rede
Laut Definition handelt es sich bei Impression Management um die „Handhabung von Selbstdarstellungen oder Selbstinszenierungen“. Und was wäre ein probates Mittel der Selbstdarstellung, wenn nicht eine Rede - mögen auch die Verantwortlichen selbst diese eher als Instrument der Kommunikation mit der Öffentlichkeit sehen. Und es ist auch kein Geheimnis, dass die meisten Redner ihre Reden nicht selbst schreiben, sich also quasi von Außenstehenden darstellen lassen.
Für Sie gelesen:
Vazrik Bazil, PR-Berater, Referent im Deutschen Bundestag und selbst Redner mit den Schwerpunkten Politik, Gesellschaft und Kunst, hat sich des Themas angenommen. Grundlage seiner Ausführungen bildet dabei das so genannte Semiometrie-Modell. Dessen Leitgedanke lautet, dass Menschen, Kunden oder Konsumenten ihre Entscheidungen nach Trägern von Werten bzw. Bedeutungen treffen und ebensolche Werte Vertrauen und damit Reputation schaffen. Von daher lassen sich mit auf dieser Basis gut ausformulierten und auf den Redner perfekt abgestimmten Reden durchaus positive Ergebnisse in Sachen PR - Stichwort Selbstdarstellung - erzielen. Handreichungen und praktische Beispiele zur Umsetzung findet der Leser hierfür in Checklisten, Tabellen und Abbildungen sowie im zusammen fast 30-seitigen Verzeichnis mit Semiometrie-Begriffen und im Wertefelder-Wörterbuch.
Auf den Seiten zwischen der „Einleitung: Rede als PR-Instrument“ und einem mehrseitigen Literaturverzeichnis der beständig zitierten Fachleute am Ende des Buches erfährt man allerlei über Sinn und Zweck der Rede, etwa über die sprachlichen Eigenheiten, die in ihr deutlich werden sollen, über Erst-, Letzt- und Gesamteindruck oder über die Techniken des Impression Management. Und darüber, dass ein „Redenschreiber“ in seiner Funktion als Textdesigner in Kombination mit dem „Redenberater“, dessen Augenmerk auf Aspekten wie etwa Körpersprache liegt, in Personalunion zum „Redenmanager“ wird, dessen Tätigkeit sinnvollerweise alle Elemente umfasst, um den gewünschten Effekt zu erzielen - wenn auch nachfolgend auf nonverbale Punkte (leider) nicht eingegangen wird. Schließlich auch, dass heutzutage eine Rede nicht mehr nur für die Zuhörer gehalten wird, sondern später gedruckt und/oder über das Internet einen deutlich größeren Publikumskreis erreicht, was es zu beachten gilt.
Unter den verschiedensten Gesichtspunkten interpretiert der Autor unter anderem Reden oder Interviewausschnitte von Gerhard Schröder, Helmut Kohl oder Johannes Rau, erstellt Werteprofile und spielt mit geänderten Rahmenbedingungen. Besonders liegt ihm dabei die „Urrede“ am Herzen als einer „Rede, die nie gehalten wird, wohl aber jeder gehaltenen Rede zugrunde liegt“. Darunter ist, so Bazil, ein vorab erstelltes Selbstkonzept des Redners zu verstehen, „denn überzeugen können Reden nur dann, wenn der Redner mit seinem eigenständigen Profil erlebt und wahrgenommen wird“.
So weit, so gut. Zwischen durchaus handwerkliche Tipps jedoch verirren sich Abhandlungen, die einen indifferenten Eindruck hinterlassen. So wird beispielsweise über mehrere Seiten zum Begriff „angewandte Semiometrie“ das Werteprofil der Marke Bacardi ermittelt - da mag es dahingestellt sein, ob dies wirklich in der dargebotenen Ausführlichkeit geschehen musste. Des Weiteren schiebt sich „Das Leben des Herrn Sträuli“, eines Therapiepatienten mit Angstzuständen, unnötig lang in den Textfluss. Und ganz grundsätzlich ist das schlechte (fehlende?) Lektorat zu bemängeln: Im Fachbuch eines ausgewiesenen „Schreibers“ dürften unzählige Rechtschreibfehler, die nicht stringente Verwendung der männlichen und weiblichen Form - einmal „Redenschreiberinnen und Redenschreiber“, dann wieder nur „Journalisten“, „Studenten“ - und geradezu dilettantisch einkopiert wirkende Abbildungen im Grunde nicht vorkommen.
Zum Buch:
Vazrik Bazil: Impression Management. Sprachliche Strategien für Reden und Vorträge. Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler, Wiesbaden 2005. 220 Seiten, ISBN 3-409-12740-2, 29,90 Euro.
Experte: Frau Martina Schmitz
Martina Schmitz (Jahrgang 1975) zählt zu den Gründungsmitgliedern und aktiven Teilhabern von ars publicandi. Die gelernte Kauffrau für Bürokommunikation hat sich im direkten Anschluss an die absolvierte Berufsausbildung das Handwerkszeug für ihre PR-Tätigkeit im Rahmen eines zweijährigen Volontariats angeeignet. Es folgten drei Jahre vielseitigster Agenturtätigkeit als PR-Beraterin mit Schwer-punkt im Bereich Media Relations. Hier liegen auch heute Haupteinsatzbereich und Verantwortungs-gebiet bei ars publicandi©, wo Martina Schmitz als Senior Consultant ihre vornehmlich mittelständischen Kunden aus dem Technologieumfeld betreut. Zu dem Verantwortungsbereich der Schulungsbeauftragten in Reihen der PR-Agentur zählen außerdem unter anderem Mediaplanung, Kongress-Positionierung, Web-Services sowie das Marketing für ars publicandi.
E-Mail: MSchmitz@ars-pr.de.
Internet: http://www.ars-pr.de
