Autor: Andreas Becker
Letzte Aktualisierung: 06.02.2008

Darauf sollten Sie bei Interviews und Kommentaren achten

Interview sind ebenso wie Kommentare meinungsbetonte Darstellungsformen. Gerade deshalb sollten Sie als PR-Treibender besonders vorsichtig damit umgehen.

Gemeinsame Nenner

- Diese Textarten leben von der Aktualität des Themas und der "Bedeutung" des Autors. Mit anderen Worten: Ein Interview mit dem Hausmeister eines Unternehmens ist selbst dann zum Misserfolg verurteilt, wenn es inhaltlich ansprechend ist. Hinzu kommt, dass das gleiche Interview mit dem Geschäftsführer des Unternehmens trotzdem nicht abgedruckt wird, wenn das Thema längst passé ist.

- Es handelt sich um die subjektivsten Aussagemöglichkeiten des Genres. Das Beziehen einer eindeutigen Stellung ist gefragt, Allgemeinplätze und "Schönreden" tragen gerade hier nicht zum Erfolg bei.

- Ablauf von Recherche und Texterstellung: sehr nah an der Person, deren Name darunter steht da ja deren Meinung gefragt ist. Allerdings ist durchaus auch die Beratung durch den sachkundigen Autoren gefragt.

- Eine möglichst natürliche Sprache ist vorzuziehen.

- Begleitendes Bildmaterial unterstreicht den subjektiven Charakter.

- Alle Texte werden aus der Perspektive desjenigen geschrieben, der mit seinem Namen zu dem Text steht.

- Nicht alle Publikationen bieten die Möglichkeit, diese Textarten unterzubringen.

 

Im Besonderen: Stellungnahme

- Die Stellungnahme ist grundsätzlich ein angeforderter Text.

- Dabei geht es in der Regel um die kritische Auseinandersetzung mit im Vorfeld getroffenen Äußerungen. Diese müssen aufgegriffen werden, bevor es zur eigentlichen Stellungnahme kommen kann.

- Der Umfang kann je nach Anlass, Message und Publikation durchaus mehrere Seiten lang sein.

 

Im Besonderen: Kommentar

- Unter den meinungsäußernden Darstellungsformen ist der Kommentar die wohl kürzeste.

- Kommentieren bedeutet gleichzeitig auch Argumentieren. Bloßes Behaupten ohne Begründen führt zu nichts.

- Bei Kommentaren können Informationen inhaltlich vorausgesetzt werden. Redundanzen sind zu vermeiden.

- Wertende Formulierungen sind angebracht.

 

Im Besonderen: Interview

- Zum Interview gehört ein kurze Einleitung, die den Leser informiert, wer aus welchem Grund zu was befragt wird.

- In der Folge entwickelt sich ein Gespräch (im Frage-und-Antwort-Spiel) zwischen Interviewer und Interviewtem.

- Ein roter Faden soll sich durch das Interview ziehen.

- Wichtig beim Interview ist, dass der Leser zu keiner Zeit erkennt, dass es "gestellt" ist.

- Ablauf von Recherche und Texterstellung: In der Regel bereitet der Autor einen Fragenkatalog vor und schickt diesen an den Interviewten, der daraufhin in Stichpunkten Antworten gibt. Genauso denkbar ist der klassische Weg, den zu Befragenden "live" zu interviewen.

- Dem Leser muss deutlich werden, dass der Interviewer das Gespräch führt. Präzises Fragen ist dabei genauso wichtig wie Nachfassen und Hinterfragen von Geäußertem. Stets mehr tun als bloßes Stichwortgeben.

- Fragen sind am geschicktesten so zu stellen, dass der Interviewte mit mehr als nur "ja" oder "nein" antworten muss.

- Am Ende des Gespräches sollte ein Dank oder auf den Inhalt des Interviews bezogene Wünsche stehen.

 

Interviewtechnik / Gesprächsführung

- Die richtige Vorbereitung ist das A und O des Interviews - egal ob es sich um telefonische, Vorort- oder auch schriftliche Interviews handelt, damit man als kompetenter Partner akzeptiert wird und auch die richtigen inhaltlichen Anstöße geben kann. Die Flexibilität, den vorbereiteten Weg zugunsten eines interessanteren Sujets aufzugeben, das sich in dem Interview ergibt, sollte man sich stets offen halten.

- Bei Telefoninterviews ist es besonders wichtig, den Grund der Befragung, das weitere Verfahren (Abstimmung, Veröffentlichung etc.) und den Kontext zu beschreiben. Außerdem ist ratsam, den Zeitaufwand für den Gesprächspartner inklusive der Abstimmung zu schätzen. Merke: Wer Situationen einschätzen kann, fühlt sich sicher, weil er "alles unter Kontrolle" hat. Dieses Gefühl sollte dem Interviewten von Anfang an gegeben werden.

- Hemmschwellen nimmt man dem Interviewten, indem man ihm glaubhaft versichert, keine Dinge zur Veröffentlichung weiterzugeben, die nicht in seinem Interesse sind. Nur abgestimmtes Material verlässt die Redaktion.

- Nur Frage stellen, die auch beantwortet werden können. In der Regel weiß z.B. der kaufmännische Leiter recht wenig von detaillierten DV-Feinheiten. Spätestens nach der dritten Frage in dieser Richtung baut sich Frust auf.

- Nicht mehr als eine Frage stellen. Manchmal schweift das Gespräch ab, und der Interviewte fragt, wo man eigentlich stehen geblieben war. Hier ist es wichtig, stets den Überblick zu behalten.

- Ein "dazu gebe ich keine Auskunft" ist nicht immer endgültig. Verständnis für diese Entscheidung zeigen und irgendwie durch die Hintertür in die gleiche Richtung erneut fragen - vielleicht ändert der Interviewte doch seine Meinung.

- Nur was man selbst versteht, kann man auch richtig wiedergeben. Im Zweifelsfall lieber mehrfach erklären lassen. Wenn man die richtige Wortwahl findet, wird sich kein Ansprechpartner dagegen verwehren:

  • "Habe ich das jetzt richtig verstanden?"
  • "Ich befürchte, das ist immer noch nicht so richtig zu mir durchgekommen."
  • Bevor ich das falsch verstanden habe ..." o.ä.

- Nur mit offenen Fragen hat der Interviewte die Möglichkeit, so richtig loszusprudeln. Und: Je mehr er aus dem Nähkästchen plaudert, desto mehr kann man schließlich daraus machen.

- Wenn ein Einstieg schwer fällt, empfiehlt es sich, mit einem ungezwungenen Gespräch zu beginnen und in dessen Verlauf, quasi ohne dass der Interviewte es bewusst mitkriegt, mit der Thematik zu beginnen.

- Wenn der Interviewte am Sprechen ist, nicht unterbrechen, es sei denn, die Antwort würde an der Frage vorbeigehen und auch sonst für uns von keiner Relevanz sein. Dennoch sollte der Interviewte stets das Gefühl haben, dass man bei der Sache ist. Das ist am Telefon ohne visuelle Kommunikation nicht einfach, weil man ja wenig unterbrechen will. Ein "mmmhh" von Zeit zu Zeit bringt jedoch genauso viel wie ein "da haben Sie recht". In der Face-to-Face-Situation erleichtern Gestiken, Mimik und Körperhaltung das Spiel des "Zustimmens und Zum-Sprechen-Forcierens".

- Als Dokumentation sind Bandmitschnitt (stets fragen, ob das okay geht) und zusätzlich einige wenige Stichpunkte auf Papier empfehlenswert. Auf diese Weise weiß man bei der Transkription stets, an welcher Stelle des Interviews man sich befindet. Außerdem steht man bei Bandausfall nicht ganz ohne Mitschrift da.

- Der Interviewte sollte das Gefühl vermittelt bekommen, mehr als die Ware "Input-Lieferer zu sein". Ein paar nette Worte nach dem Interview kosten nicht zuviel Zeit und haben unter Umständen großen Image-Gewinn zur Folge. Außerdem fallen in dieser "entspannten" Situation manchmal noch Dinge, die sehr interessant für das eigentliche Interview sein können.

- Mit der Transkription nicht lange Zeit lassen. Man vergisst schnell, und mit der Zeit fehlt auch der Bezug zum Gespräch - trotz Bandmitschnitt.

- Gerade dann, wenn man Fragen und Antworten selbst ausformuliert, ist es sehr wichtig, jemanden gegenlesen zu lassen. Die Gefahr des Verlustes des Überblickes ist groß.

 

 

Andreas Becker

Experte: Herr Andreas Becker

Andreas Becker; M.A. (Jahrgang 1965) ist als Gründer und geschäftsführender Gesellschafter bei ars publicandi© für die betriebswirtschaftlichen Geschicke des Unternehmens verantwortlich. Know-how und Erfahrung für diesen Aufgabenbereich basieren auf einer kaufmännischen Lehre und entsprechender Berufserfahrung inklusive vierjähriger Tätigkeit als kaufmännischer Leiter. Anfangs noch berufsbeglei-tend folgte das Studium der Informations-, Rechts- und Sportwissenschaften, das er 1995 mit dem Magister-Diplom abschloss; mehrere Praktika bei Rundfunk, Fernsehen, Nachrichtenagenturen und einem wissenschaftlichen Institut ergänzten seine Studienaktivitäten. Zu den journalistischen Stationen gehörte zuletzt die Position des PR-Redakteurs in einer spezialisierten Agentur. Das Schreiben hat sich zum inhaltlichen Schwerpunkt seiner Beratungsaufgaben entwickelt.

E-Mail: ABecker@ars-pr.de

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